Workshopblock IV

  • Workshop 19

    „Mit vereinten Kräften“ ja – Aber mit welchem Ziel?

    Referent

    Dr. med. Jürg Liechti

     

    Zusammenfassung

    Bindungssicherheit in der therapeutischen Beziehung zwischen Therapeutin und Patient scheint die wichtigste Voraussetzung zum Erfolg einer Psychotherapie zu sein (sie sagt den Erfolg am besten voraus). Die klinische Erfahrung zeigt, dass das Bindungsprinzip „Sicherheit als Voraussetzung für die Exploration, für den Erkenntnisgewinn und für eine verbesserte Autonomie“ mit Vorteil auf das systemische Mehrpersonen-Setting, insbesondere auf das Konzept des problemdeterminierten Systems (Problemsystem) erweitert wird. In der ambulanten Psychotherapie arbeitet sich dabei die Fachperson im Auftrag der/des Hilfesuchenden in jenes einzigartige, nie vorher dagewesene Sozialsystem vor, das durch den Sachverhalt eines Leids bzw. die darüber etablierte Interaktion und Kommunikation zusammengehalten wird. Was in der Theorie wenig spektakulär einher kommt, hat für die therapeutische Praxis tiefgreifende Folgen sowohl mit Bezug auf das therapeutische Handwerk (Systemkompetenz) wie auf das „traditionelle“ (Selbst-) Verständnis der Rolle einer psychotherapeutischen Fachperson.

    Am Beispiel von Videosequenzen sollen einige „systemische Knacknüsse“ im Umgang mit Problemsystemen sowie die Konsequenzen für das Rollenverständnis als Fachperson vorgestellt und in der Gruppe diskutiert werden. Gemeinsame Analysen und Hypothesen sollen Einblick in die Komplexität und Prozesshaftigkeit der systemischen Arbeit geben und therapeutische Neugierde wecken.

     

    Literatur

    Liechti, J. (2008): Magersucht in Therapie – Gestaltung therapeutischer Systeme. Heidelberg: Carl Auer Verlag

    Liechti, J. (2009): Dann komm ich halt, sag aber nichts – Motivierung Jugendlicher in Therapie und Beratung. Heidelberg: Carl Auer Verlag

    Liechti, J., Liechti-Darbellay, M. (2011): Im Konflikt und doch verbunden. Der systemtherapeutische Einbezug von Angehörigen: Ressource und Herausforderung. Heidelberg: Carl Auer Verlag

  • Workshop 20

    Das behandelnde Team im Umfeld von stationär Betreuten: Systemische Gedanken zum interdisziplinären Team

    Referent

    Markus Grindat

     

    Zusammenfassung

    Multi-Systemische Ansätze für die Organisation eines kooperativen Kontextes mit dem Ziel, therapeutische Wirksamkeit auf der Station zu optimieren

    Im Workshop wird das behandelnde Team einer stationären Einrichtung als System betrachtet. Wie organisiert es sich nach Kriterien von funktionalen Wechselwirkungen?

     

    Im Seminar wird eine Beobachtungsmethodik als Grundlage für die Qualitätssicherung (und die kollegialen Beratung) vorgestellt. Die ‚passenden‘ Interaktionen werden in einem lösungsorientierten Sinn einer reinen Angebotsstruktur übergeordnet.

    Der Wechselwirkung und der Komplexität in stationären Therapieeinrichtungen wird hohe Aufmerksamkeit geschenkt. Das interdisziplinäre Team aus Betreuung, Pflege, Medizin und Psychotherapie arbeiten auf gleicher Augenhöhe und in gemeinsamer Verantwortung für die Prozesssteuerung.

    Orientiert an einem umsetzbar ausgehandelten Behandlungsauftrag ist die Verantwortung der führenden Betreuungspersonen hoch. Sie sind mit Kompetenzen ausgestattet, mit den Angehörigen als Ressourcen (also Co-Therapeuten) zusammen zu arbeiten.  

     

    Literatur

    Markus Grindat (Hrsg). (2016). «Jetzt reicht’s endgültig!» - Lösungsorientierte Interventionen bei schwierigen Unterrichtssituationen Bern, Edition SZH/CSPS, ISBN 978-3-905890-22-8

    Grindat, Markus. (2009). Stationäre Systemtherapie im Therapieheim. Luzern: SYSTEMIS.CH Schweizerische Vereinigung für Systemische Therapie und Beratung

    Grindat, Markus. (2012). Sport in der Systemischen Beratung & Psychotherapie – Bewegung effizient und kreativ eingesetzt. Bern, Psychomobile. ISBN 978-3-033-03464-8

  • Workshop 21

    Zusammenarbeit und Netzwerkgespräche nach Open Dialogue mit Angehörigen im akutpsychiatrischen Hometreatment der gemeindeintegrierten Akutbehandlung

    Referentinnen

    Dr. med. Julia Fritzsche, Jeannine Keist

     

    Zusammenfassung

    Die Luzerner Psychiatrie bietet seit über 10 Jahren erfolgreich das "intensive hometreatment" an. Es handelt sich um die akutpsychiatrische Behandlung eines Patienten in seinem häuslichen Umfeld durch ein mobiles, multiprofessionell zusammengesetztes Team. In diesem Kontext ist die enge Zusammenarbeit mit den Angehörigen ein absolutes Muss. Im Workshop wird über unsere Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Angehörigen und über den Ansatz des "open dialogue" berichtet.

     

    Literatur

    "Crisis Resolution and Home treatment in Mental Health", Verlag Cambridge University, Autoren Sonja Johnson, Justin Needle, Jonathan P. Bindman, Graham Thornicroft

    Artikel "Bedürfnisorientierter Ansatz und Offener Dialog- Von der Mobilisation familiärer Entwicklungsprozesse in der Therapie psychotischer Störungen", Autoren: Jaakko Seikkula, Birgitta Alakare

  • Workshop 22

    “Partizipation in der Psychiatrie – Trialog als Utopie?“

    ReferentInnen

    med. pract. Jens Stellbrink-Beckmann, Dr. med. Barbara Blickle

     

    Zusammenfassung

    Peer- Arbeit ist seit über fünf Jahren in unseren Diensten etabliert. Genesungsbegleitung durch peers findet in Ambulatorien, aufsuchend,  im Begegnungszentrum und in der Tagesklinik statt. Angehörigentelefon und -treff,  Trialog und unser Projekt zum „open dialogue“ sind peer-unterstützt. Unsere Erfahrungen wollen wir mit Ihnen reflektieren, Chancen und Grenzen der weiteren Entwicklung hin zur trialogischen Psychiatrie diskutieren.

  • Workshop 23

    Suizid und Suizidprävention mit besonderer Berücksichtigung der systemischen Aspekte

    Referent

    Prof. Dr. med. Thomas Reisch

     

    Zusammenfassung

    Suizid ist die häufigste Todesursache im Fach Psychiatrie. Unabhängig, ob ein Therapeut im stationären oder im ambulanten Rahmen arbeitet ist die Selbsttötung eines Patienten das wohl belastendste Ereignis für unsere Berufsgruppen. Angehörige stellen die grösste Ressource von Patienten dar, nicht selten sind sie aber umgekehrt auch der eigentliche Grund für Suizidgedanken. Suizid steht in den allermeisten Fällen in Zusammenhang von Störungen in interpersonellen Beziehungen. Egal wie gut wir als Therapeuten arbeiten, ein Suizid lässt sich nicht sicher verhindern. Aber verschiedene Massnahmen können helfen die Anzahl bzw. die Wahrscheinlichkeit eines Suizides zu verhindern. Im Referat werden die Hintergründe ein psychologisches und ein Handlungsmodell des Suizidversuches vorgestellt um ein besseres Verständnis von selbstzerstörerischen Handlungen zu gewinnen. Hieraus werden Massnahmen zur Suizidprävention im Einzelsetting aber auch unter Einbezug von Angehörigen abgeleitet und dargestellt. Im Workshop werden verschiedene Interventionen welche in der Behandlung der Suizidalität zur Anwendung kommen vorgestellt.

  • Workshop 24

    Der Kampf der Eltern gegen die Anorexie oder wie gewinnen wir unsere Tochter zurück-Elternarbeit im stationären Setting bei stark untergewichtigen Anorexiepatientinnen

    Referentin

    Lic. phil. Nadine Plaschy Moreau, Pierre-Yves Mayor

     

    Zusammenfassung

    Wenn im ambulanten Setting mit anorektischen Menschen gearbeitet wird, ist die systemische Sichtweise und der Einbezug der Eltern schon seit längerem ein therapeutisches Muss. Wie sieht dies aber aus, wenn aufgrund eines lebensgefährlich tiefen Gewichts oder massiver Komorbidität eine stationäre Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie notwendig wird? Wie gelingt der Spagat zwischen dem engen und kontrolleübernehmenden Anorexiekonzept in der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik und dem Einbezug der Eltern in diese Behandlung? Wie können die Eltern mit ihren Schuldgefühlen, ihren Versagens- und Verlustängsten, mit all ihren krankheitserhaltenden Mustern dabei unterstützt werden, in einem Moment, wo sie ihre Tochter verlieren könnten, aus diesem angstbestimmten Modus herauszutreten und den Lead wieder so zu übernehmen, dass nicht mehr die Krankheit bestimmt, sondern sie als Eltern? Diese Frage ist es, die uns bei der stationären Behandlung von stark untergewichtigen Anorexiepatientinnen zu Beginn der Behandlung am meisten beschäftigt. In unserem Workshop möchten wir von unseren Erfahrungen berichten und zeigen, wie lustvoll im stationären Setting mit Eltern und Anorexiepatientinnen gearbeitet werden kann.