Hauptreferate

  • Prof. Dr. med. Thomas Reisch

    Suizid und Suizidprävention mit besonderer Berücksichtigung der systemischen Aspekte

    Referent

    Prof. Dr. med. Thomas Reisch

     

    Zusammenfassung

    Suizid ist die häufigste Todesursache im Fach Psychiatrie. Unabhängig, ob ein Therapeut im stationären oder im ambulanten Rahmen arbeitet ist die Selbsttötung eines Patienten das wohl belastendste Ereignis für unsere Berufsgruppen. Angehörige stellen die grösste Ressource von Patienten dar, nicht selten sind sie aber umgekehrt auch der eigentliche Grund für Suizidgedanken. Suizid steht in den allermeisten Fällen in Zusammenhang von Störungen in interpersonellen Beziehungen. Egal wie gut wir als Therapeuten arbeiten, ein Suizid lässt sich nicht sicher verhindern. Aber verschiedene Massnahmen können helfen die Anzahl bzw. die Wahrscheinlichkeit eines Suizides zu verhindern. Im Referat werden die Hintergründe ein psychologisches und ein Handlungsmodell des Suizidversuches vorgestellt um ein besseres Verständnis von selbstzerstörerischen Handlungen zu gewinnen. Hieraus werden Massnahmen zur Suizidprävention im Einzelsetting aber auch unter Einbezug von Angehörigen abgeleitet und dargestellt. Im Workshop werden verschiedene Interventionen welche in der Behandlung der Suizidalität zur Anwendung kommen vorgestellt.

  • Prof. Dr. rer. soc. Jochen Schweitzer-Rothers

    SYMPAthische Psychiatrie - Ent-Störung als Gemeinschaftsleistung

    Referent

    Prof. Dr. rer. soc. Jochen Schweitzer-Rothers

     

    Zusammenfassung

    Aufbauend auf vielen einzelnen systemtherapeutischen Innovationen bietet das Helm Stierlin Institut in Heidelberg seit 2003 Inhouse-Weiterbildungen über „systemisch-familienorientierte Methoden psychiatrischer Akutbehandlung“  (SYMPA) an. SYMPA besteht also aus einem idealtypischen systemtherapeutischen Behandlungsablauf und einem berufs- und hierarchiegruppenübergreifenden Weiterbildungskonzept für komplette psychiatrische Abteilungen oder Stationen, inzwischen auch für regionale psychiatrische Verbünde. SYMPA Weiterbildungen werden im Jahr 2017 an sechs Klinikstandorten abgeschlossen sein und an vier Klinikstandorten aktuell laufen. Im Vortrag werde ich nach einem historischen Überblick über die Geschichte systemischer Psychiatrie-Experimente die Entwicklung, das klinische Programm und das Weiterbildungsdesign von SYMPA schildern sowie über einzelne Forschungen zur Einführung von SYMPA berichten. SYMPA in seiner jetzigen Form ist ein „Top_Down“, kein „Bottom-Up“-Projekt, dessen Gelingen daher an einige notwendige Bedingungen gebunden ist, über deren Gelingen oder Scheitern  ich ebenfalls sprechen will.

  • Dr. rer. nat. Ulrike Borst

    Was Partnerschaft und psychische Krisen miteinander zu tun haben

    Referentin

    Dr. rer. nat. Ulrike Borst

     

    Zusammenfassung

    Was wissen wir über den Zusammenhang von psychischer Störung und Paarbeziehung? Im Einzelfall, bei jedem einzelnen Paar, finden wir in der Regel ein höchst zirkuläres und transaktionales Geschehen vor. Im Vortrag wird aber zunächst allgemein dargestellt, welche Ursache- / Wirkungs-Zusammenhänge sich in Forschungsergebnissen zeigen: wie die Qualität der Paarbeziehung auf das Befinden wirkt, welche Auswirkungen Persönlichkeit und psychische Störungen eines Partners auf die Paarbeziehung haben, dass Paartherapie positive Wirkungen bei psychischen Störungen eines Partners hat, was Stresserleben und Problemlösekompetenz mit der Qualität der Partnerschaft zu tun haben.

     

    Literatur:

    U. Borst (2011). Wenn die Liebe überschattet wird. Leben mit einem depressiven Partner. Stuttgart, Patmos 

  • Dr. med. Jürg Liechti

    Problemsysteme als Ressource

    Referent

    Dr. med. Jürg Liechti

     

    Zusammenfassung

    Es gibt viele gute Gründe, um im Rahmen einer psychiatrischen Therapie die Angehörigen in die Hilfeleistungen einzubeziehen (Paar- und Familientherapie, rehabilitativer Angehörigeneinbezug, Fremdanamnese, Psychoedukation von Angehörigen, Familienmedizin usf.). In der ambulanten Praxis hat sich die Orientierung am Konzept des „problemdeterminierten Systems“ (kurz: Problemsystem) bewährt. Dabei arbeitet sich die Fachperson im Auftrag der/des Hilfesuchenden in jenes einzigartige, nie vorher dagewesene Sozialsystem vor, das durch den Sachverhalt eines Leids (klinisch beispielsweise als psychotische, depressive oder Essstörung bezeichnet) bzw. durch die darüber etablierte Interaktion und Kommunikation zusammengehalten wird. Der therapeutische Zugang zum Problemsystem impliziert eine multilateral anschlussfähige Kommunikation im Mehrpersonen-Setting (Systemkompetenz) mit dem primären Ziel der Herstellung eines epistemischen Vertrauens (Sicherheitsbasis). Insofern betont und expliziert das Referat den Einbezug von bindungstheoretischem Denken in die Praxis der systemischen Therapie.

     

    Literatur:

    Liechti, J. (2008): Magersucht in Therapie – Gestaltung therapeutischer Systeme. Heidelberg: Carl Auer Verlag

    Liechti, J. (2009): Dann komm ich halt, sag aber nichts – Motivierung Jugendlicher in Therapie und Beratung. Heidelberg: Carl Auer Verlag

    Liechti, J., Liechti-Darbellay, M. (2011): Im Konflikt und doch verbunden. Der systemtherapeutische Einbezug von Angehörigen: Ressource und Herausforderung. Heidelberg: Carl Auer Verlag

  • Dr. med. Gerhard D. Ruf

    Systemische Therapie psychischer Störungen. Patient und Familie im Fokus.

    Referent

    Dr. med. Gerhard D. Ruf

     

    Zusammenfassung

    Während die klassische Psychiatrie auf Defizite fokussiert, können psychiatrische Störungen aus systemischer Sicht als Lösungsversuch der Betroffenen für Probleme in ihrer Lebenssituation gesehen werden, auch wenn sie mit Leiden verbunden sind. Angehörige werden durch die Symptome mit belastet. Um bessere Lösungen für alle zu erreichen, wird in der systemischen Einzeltherapie auf das Wechselspiel mit dem Umfeld besonders fokussiert, in der Familientherapie werden Angehörige direkt einbezogen.

     

    Literatur:

    Ruf, G.D. (2005): Systemische Psychiatrie. Ein ressourcenorientiertes Lehrbuch. Stuttgart (Klett-Cotta). 3. Auflage 2015

    Ruf, G.D. (2013): Einführung in die systemische Psychiatrie. Heidelberg (Carl-Auer)

    Ruf, G.D. (2014): Schizophrenien und schizoaffektive Störungen. Heidelberg (Carl-Auer)

    Ruf, G.D. (2015): Depression und Dysthymia. Heidelberg (Carl-Auer)Ruf, G.D. (2017): Bipolare Störungen. Heidelberg (Carl-Auer) (erscheint 3/17)

       

  • Prof. Dr. Ulrike Willutzki

    Ressourcenaktivierung in der Psychotherapie

    Referentin

    Prof. Dr. Ulrike Willutzki

     

    Zusammenfassung

    Psychische Belastungen gehen in der Regel mit ausgeprägten negativen Affekten einher, die es Betroffenen und ihren Angehörigen erschweren ihre trotzdem vorhandenen Möglichkeiten und Stärken wahrzunehmen und zu thematisieren. Gerade im systemischen Kontext  steht daher seit längerem die feinfühlige und geduldige Aktivierung und Förderung von Ressourcen im Fokus. Auf Grundlage einer kurzen Begriffsklärung wird das Verhältnis von personalen und sozialen Ressourcen thematisiert. Vor diesem Hintergrund werden einerseits Ansätze zur Förderung personaler Ressourcen betrachtet, und dabei neben systemischen und kognitiv-behavioralen Modellen Interventionen aus der sogenannten positiven Psychologie vorgestellt. Andererseits werden Grundvoraussetzungen und Ansatzpunkte zur Förderung sozialer Ressourcen thematisiert, mit denen jenseits der häufig erschöpften und verstrickten Beziehungen im Netzwerk von PatientInnen positive Bindungen und Unterstützung aufgedeckt und wieder erfahrbar gemacht werden können.  

     

    Literatur

    Willutzki, U. & Teismann, T. (2013). Ressourcenaktivierung in der Psychotherapie. Göttingen: Hogrefe